Aus eigener Erfahrung: Geduld einplanen
EU-Bürger vs. Drittstaaten – der entscheidende Unterschied
Für Bürger der EU und EFTA gilt das Freizügigkeitsabkommen (FZA): Sie haben grundsätzlich das Recht, in die Schweiz zu ziehen und zu arbeiten, ohne Kontingentierung und ohne Arbeitsmarktprüfung. Der Prozess ist relativ einfach.
Für Drittstaatsangehörige (alle anderen) gelten die Artikel 18–26 des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG). Es gelten Kontingente, Inländervorrang und höhere Hürden.
Voraussetzungen für Drittstaaten
- Konkretes Stellenangebot von einem Schweizer Arbeitgeber
- Nachweis des Inländervorrangs durch den Arbeitgeber (keine geeignete CH/EU-Person verfügbar)
- Kontingentplatz im Kanton vorhanden
- Qualifikation: Meist nur für Führungskräfte, Spezialisten und Hochqualifizierte möglich
- Lohnnachweis: Lohn muss orts- und branchenüblich sein
Der Ablauf – vereinfacht dargestellt
- Arbeitgeber stellt das Gesuch bei der kantonalen Behörde (je nach Kanton Arbeitsamt bzw. Migrationsamt)
- Kantonales Arbeitsamt prüft Vorrang, Qualifikation, Lohn und Kontingent; das SEM muss zustimmen
- Bei Genehmigung: Bewilligungszusicherung wird ausgestellt
- Mit Zusicherung: falls nötig Visum bei der zuständigen Schweizer Vertretung beantragen
- Einreise nach Visums-Erhalt
- Anmeldung in der Schweizer Gemeinde → Aufenthaltsausweis
Zeitaufwand: rund 3–8 Monate insgesamt (Richtwert, je nach Kanton).
Familiennachzug für Drittstaaten
Der Familiennachzug für Ehegatte und Kinder ist möglich, aber an Bedingungen geknüpft:
- Ausreichende Wohnfläche nachweisbar
- Keine Sozialhilfeabhängigkeit
- Gesuch für Ehegatte und Kinder unter 12 innert 5 Jahren nach Erteilung der Bewilligung bzw. Entstehung des Familienverhältnisses
- Kinder ab 12 Jahren: Gesuch innert 12 Monaten
Tipp: Antrag für Familiennachzug gleichzeitig mit der eigenen Bewilligung stellen – das spart Zeit.
Sonderfall: verheiratet mit einem EU-Bürger
Für viele Familien der einfachste Weg: Ist eure Ehepartnerin oder euer Ehepartner Deutsche/r (oder andere EU/EFTA-Staatsangehörige) und zieht mit Arbeitsvertrag in die Schweiz, kommt ihr über den Familiennachzug nach Freizügigkeitsabkommen mit – ohne Kontingent, ohne Arbeitsmarktprüfung, ohne Nachzugsfristen. Ehegatte und Kinder unter 21 erhalten in der Regel eine Bewilligung B EU/EFTA und dürfen arbeiten.
- Nötig sind vor allem: Heiratsurkunde (oft mit Apostille bzw. Beglaubigung), Pass, gemeinsame Wohnung.
- Ob für die Einreise ein Visum nötig ist, hängt von Staatsangehörigkeit und Aufenthaltstitel ab – das Migrationsamt bzw. die Schweizer Vertretung gibt Auskunft.
- Plant für Urkunden und Visum mehrere Monate ein.
Ihr lebt mit deutschem Aufenthaltstitel in Deutschland?
- Kein Recht auf die Schweiz: Ein deutscher Aufenthaltstitel oder eine Niederlassungserlaubnis gibt euch in der Schweiz kein Aufenthalts- oder Arbeitsrecht. Ihr braucht eine eigene Schweizer Bewilligung.
- Einreise: Mit einem gültigen, anerkannten deutschen Aufenthaltstitel braucht ihr für die Einreise in der Regel kein Schweizer Visum. Die Schweizer Bewilligung bzw. Zusicherung braucht ihr aber trotzdem.
- Deutschen Titel nicht leichtfertig verlieren: Bei einem dauerhaften Wegzug kann der deutsche Aufenthaltstitel schon mit der Ausreise erlöschen, sonst oft nach 6 Monaten im Ausland (§ 51 AufenthG). Klärt die Folgen vorher mit der Ausländerbehörde.
Familiennachzug für Drittstaaten: die Details
| Mit C-Bewilligung | Mit B-Bewilligung | |
|---|---|---|
| Rechtsanspruch? | Ja (Art. 43 AIG) | Nein – der Kanton kann ihn bewilligen (Art. 44 AIG) |
| Zusammenwohnen | verlangt | verlangt |
| Wohnung | bedarfsgerecht | bedarfsgerecht |
| Finanzen | keine Sozialhilfe | keine Sozialhilfe, kein Anspruch auf Ergänzungsleistungen durch den Nachzug |
| Sprache Ehegatte | mündlich mind. A1 oder Anmeldung zu einem Sprachkurs | |
| Frist | Ehegatte und Kinder unter 12: innert 5 Jahren; Kinder ab 12: innert 12 Monaten – ab Erteilung der Bewilligung bzw. Entstehung des Familienverhältnisses (Art. 47 AIG) | |
Der Weg zur Niederlassung C
- Ordentlich: nach 10 Jahren Aufenthalt, davon die letzten 5 Jahre ununterbrochen mit B-Bewilligung, und Integration (u. a. Sprache mündlich A2, schriftlich A1).
- Vorzeitig: nach 5 Jahren mit B-Bewilligung bei erfolgreicher Integration (mündlich B1, schriftlich A1).
Sprache ist der Schlüssel – für die Bewilligung genauso wie für den Alltag. Anerkannt sind zum Beispiel fide, telc, Goethe oder ÖSD.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Bearbeitung für Drittstaaten?
Gibt es Kontingente?
Was bedeutet Inländervorrang?
Über den Autor
Johann Lorenz ist 2023 aus Deutschland nach Liestal (Kanton Basel-Landschaft) ausgewandert. Er betreibt diese Seite, weil er sich genau so einen Guide gewünscht hätte. Mehr erfahren →
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