Wer mit Kindern in die Schweiz zieht, bekommt ab dem ersten Lohn Familienzulagen – das Schweizer Gegenstück zum Kindergeld. Sie kommen nicht von einer Familienkasse, sondern mit dem Lohn vom Arbeitgeber. Und weil jeder Kanton mehr als das Minimum zahlen darf, kann der gleiche Job in einem anderen Kanton für eure Familie mehrere tausend Franken pro Jahr mehr bedeuten.
Das Wichtigste in Kürze
- Kinderzulage: mindestens CHF 215 pro Kind und Monat, bis zum 16. Geburtstag.
- Ausbildungszulage: mindestens CHF 268 pro Monat für Kinder in Ausbildung, längstens bis zum 25. Geburtstag.
- Kanton entscheidet: Viele Kantone zahlen mehr. Massgebend ist meist der Sitz des Arbeitgebers.
- Antrag: läuft für Angestellte über den Arbeitgeber – ab dem ersten Arbeitstag.
- Baby: 14 Wochen Mutterschaftsentschädigung (80 % des Lohns), 2 Wochen Vaterschaftsurlaub, in einigen Kantonen eine Geburtszulage.
Mindestbeträge 2026
Das Bundesgesetz über die Familienzulagen (FamZG) legt Mindestansätze fest, die jeder Kanton einhalten muss. Seit 2025 betragen sie:
| Zulage | Mindestens pro Monat | Für wen |
|---|---|---|
| Kinderzulage | CHF 215 | Kinder bis 16 Jahre |
| Ausbildungszulage | CHF 268 | Kinder in Ausbildung, ab 15 bzw. 16 Jahren bis höchstens 25 |
Alle Kantone im Vergleich (2026)
Beträge in CHF pro Kind und Monat. Wo zwei Werte stehen, ist die Zulage gestaffelt – siehe Bemerkung.
| Kanton | Kinderzulage | Ausbildungszulage | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Aargau (AG) | 225 | 278 | |
| Appenzell Ausserrhoden (AR) | 230 | 280 | |
| Appenzell Innerrhoden (AI) | 245 | 298 | |
| Basel-Landschaft (BL) | 215 | 268 | |
| Basel-Stadt (BS) | 275 | 325 | |
| Bern (BE) | 250 | 310 | |
| Freiburg (FR) | 265 / 285 | 325 / 345 | höher ab dem 3. Kind · Geburtszulage CHF 1500 |
| Genf (GE) | 311 / 411 | 415 / 515 | höher ab dem 3. Kind · Geburtszulage |
| Glarus (GL) | 215 | 268 | |
| Graubünden (GR) | 240 | 290 | |
| Jura (JU) | 275 | 325 | Geburts-/Adoptionszulage CHF 1500 |
| Luzern (LU) | 215 / 260 | 268 | Kinderzulage höher ab 12 Jahren · Geburtszulage CHF 1075 |
| Neuenburg (NE) | 240 / 270 | 320 / 350 | höher ab dem 3. Kind · Geburtszulage CHF 1200 |
| Nidwalden (NW) | 258 | 311 | |
| Obwalden (OW) | 220 | 270 | |
| Schaffhausen (SH) | 230 | 290 | |
| Schwyz (SZ) | 230 | 280 | |
| Solothurn (SO) | 215 | 268 | |
| St. Gallen (SG) | 245 | 298 | |
| Tessin (TI) | 215 | 268 | |
| Thurgau (TG) | 215 | 280 | |
| Uri (UR) | 240 | 290 | Geburts-/Adoptionszulage CHF 1200 |
| Waadt (VD) | 322 / 365 | 425 / 468 | höher ab dem 3. Kind · Geburtszulage |
| Wallis (VS) | 327 / 435 | 477 / 585 | höher ab dem 3. Kind · Geburtszulage |
| Zug (ZG) | 330 | 330 / 385 | Ausbildungszulage höher ab 18 Jahren |
| Zürich (ZH) | 215 / 268 | 268 | Kinderzulage höher ab 12 Jahren |
Quelle: Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV), «Arten und Ansätze der Familienzulagen», Stand 12.12.2025. Einzelne Kantone kennen zusätzliche Sonderregeln – im Zweifel gibt die kantonale Familienausgleichskasse verbindlich Auskunft.
Beispiel: Familie mit 2 Kindern (6 und 9 Jahre)
| Arbeitgeber im Kanton | Pro Monat | Pro Jahr |
|---|---|---|
| Basel-Landschaft, Zürich, Luzern | CHF 430 | CHF 5'160 |
| Aargau | CHF 450 | CHF 5'400 |
| Bern | CHF 500 | CHF 6'000 |
| Basel-Stadt | CHF 550 | CHF 6'600 |
| Zug | CHF 660 | CHF 7'920 |
Bei der Jobwahl mitdenken
Beispiel 2: Familie mit 3 Kindern (4, 13 und 17 Jahre, das älteste in der Lehre)
- Arbeitgeber in Zürich: CHF 215 (4 J.) + CHF 268 (13 J., ab 12 Jahren höher) + CHF 268 (Ausbildung) = CHF 751 pro Monat, CHF 9'012 pro Jahr.
- Arbeitgeber in Bern: CHF 250 + 250 + 310 = CHF 810 pro Monat, CHF 9'720 pro Jahr.
Vergleich mit dem deutschen Kindergeld
| Deutschland 2026 | Schweiz 2026 | |
|---|---|---|
| Betrag pro Kind und Monat | EUR 259 | mind. CHF 215, je nach Kanton mehr |
| Für ältere Kinder | gleich, bis 18 bzw. 25 in Ausbildung | Ausbildungszulage mind. CHF 268, bis 25 |
| Wer zahlt? | Familienkasse | Arbeitgeber über die Familienausgleichskasse |
| Steuer | steuerfrei (Günstigerprüfung mit Kinderfreibetrag) | steuerbares Einkommen; dafür Kinderabzüge bei den Steuern |
Auf den ersten Blick sind die Beträge ähnlich. Der grosse Unterschied liegt beim Drumherum: In der Schweiz gibt es hohe Kinderabzüge bei den Steuern, einen Abzug für Kinderbetreuungskosten und in vielen Kantonen Prämienverbilligung für die Krankenkasse der Kinder. Umgekehrt fehlen ein Elterngeld wie in Deutschland und eine beitragsfreie Familienversicherung.
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Ein Baby in der Schweiz: Geburtszulage und Elternurlaub
Viele Familien bekommen in der Schweiz Nachwuchs. Das ist finanziell geregelt:
- Geburts- oder Adoptionszulage: Einmalig in einigen Kantonen, z. B. Freiburg und Jura CHF 1'500, Neuenburg und Uri CHF 1'200, Luzern CHF 1'075 (siehe Tabelle).
- Kinderzulage ab Geburt: Ab dem Geburtsmonat zahlt der Arbeitgeber die Kinderzulage – Geburtsurkunde einreichen.
- Mutterschaftsentschädigung: 14 Wochen (98 Tage), 80 % des durchschnittlichen Lohns, höchstens CHF 220 pro Tag. Voraussetzung: 9 Monate versichert und davon mindestens 5 Monate erwerbstätig vor der Geburt – Zeiten in Deutschland bzw. der EU zählen mit.
- Vaterschaftsurlaub: 2 Wochen (14 Taggelder) innert 6 Monaten nach der Geburt, ebenfalls 80 % des Lohns, höchstens CHF 220 pro Tag. Tageweise oder am Stück.
- Krankenkasse: Ab der 13. Schwangerschaftswoche bis 8 Wochen nach der Geburt keine Franchise und kein Selbstbehalt für die meisten Leistungen.
Rechenbeispiel Mutterschafts- und Vaterschaftsentschädigung (Tageslohn = Monatslohn ÷ 30):
| Monatslohn brutto | Taggeld (80 %) | Mutterschaft 98 Tage | Vaterschaft 14 Tage |
|---|---|---|---|
| CHF 5'000 | CHF 133.33 | CHF 13'067 | CHF 1'867 |
| CHF 6'000 | CHF 160.00 | CHF 15'680 | CHF 2'240 |
| CHF 8'250 | CHF 220.00 | CHF 21'560 | CHF 3'080 |
| CHF 10'000 | CHF 220.00 | CHF 21'560 | CHF 3'080 |
Ab einem Monatslohn von CHF 8'250 ist das Höchst-Taggeld von CHF 220 erreicht. Viele Arbeitgeber zahlen freiwillig mehr (z. B. 100 % oder länger) – schaut in euren Arbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag. Quelle: AHV/IV, Merkblatt 6.02 Mutterschaftsentschädigung (Stand 1.1.2025).
Kein Elterngeld wie in Deutschland
Wer hat Anspruch?
- Angestellte mit einem Einkommen von mindestens CHF 630 pro Monat (CHF 7'560 pro Jahr) – auch in Teilzeit.
- Selbständige – sie melden sich direkt bei ihrer Familienausgleichskasse.
- Nichterwerbstätige mit tiefem Einkommen können unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls Anspruch haben.
Pro Kind gibt es nur eine Zulage, auch wenn beide Eltern arbeiten. Zahlt der Kanton des zweiten Elternteils mehr, wird die Differenz ausgeglichen. Die Reihenfolge regelt Art. 7 FamZG: Vorrang hat, wer erwerbstätig ist, dann wer die elterliche Sorge hat, dann wer überwiegend mit dem Kind zusammenlebt, dann wer im Wohnkanton des Kindes arbeitet.
Ein Elternteil arbeitet noch in Deutschland?
So beantragt ihr die Familienzulagen
- Formular beim Arbeitgeber anfordern – meist am ersten Arbeitstag oder über die Personalabteilung.
- Unterlagen beilegen: Geburtsurkunden bzw. Familienbüchlein, Ausweis/Bewilligung, bei Kindern ab 16 eine Ausbildungsbestätigung.
- Angaben zum anderen Elternteil machen (Arbeitgeber, Land, Einkommen) – damit die Kasse prüft, wer vorrangig zahlt.
- Auszahlung erfolgt monatlich mit dem Lohn – prüft die erste Lohnabrechnung.
Nicht vergessen
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Kindergeld in der Schweiz 2026?
Welcher Kanton ist massgebend?
Bekommen wir die Zulage doppelt, wenn beide Eltern arbeiten?
Bekommen wir weiter deutsches Kindergeld?
Muss ich die Familienzulagen versteuern?
Gibt es eine Mindestgrenze beim Einkommen?
Zählen meine Arbeitsjahre in Deutschland für die Mutterschaftsentschädigung?
Quellen: Bundesgesetz über die Familienzulagen (FamZG); BSV, Arten und Ansätze der Familienzulagen (Stand 12.12.2025); AHV/IV-Merkblätter 6.02 (Mutterschaft) und 6.04 (Vaterschaft); Bundesagentur für Arbeit, Kindergeld 2026. Stand Oktober 2026.