Tiefere Steuern als in Deutschland – aber nicht überall
Das Schweizer Steuersystem – 3 Ebenen
In der Schweiz zahlt man Steuern auf drei Ebenen:
- Bund: Direkte Bundessteuer (einheitlich, progressiv)
- Kanton: Kantonssteuer (grosse Unterschiede!)
- Gemeinde: Gemeindesteuer (Zuschlag zur Kantonssteuer)
Die Kombination von Kantonssteuer und Gemeindesteuer macht den grössten Unterschied aus. In Zug kann der kombinierte Steuersatz halb so hoch sein wie in Genf.
Quellensteuer – für Neuzuzüger mit B-Ausweis
Wer einen B-Ausweis hat und keinen Schweizer Bürger geheiratet hat, unterliegt der Quellensteuer. Das bedeutet:
- Die Steuer wird direkt vom Arbeitgeber vom Lohn abgezogen und an den Kanton überwiesen
- Du musst (in der Regel) keine Steuererklärung einreichen
- Der Steuersatz richtet sich nach Kanton, Einkommen, Zivilstand und Tarif (A, B, C, H)
- Nachteil: Viele Abzüge (Berufskosten, Versicherungen) kannst du nicht geltend machen
Nachträgliche ordentliche Veranlagung (NOV) beantragen
Ordentliche Veranlagung
Mit C-Ausweis (für Deutsche meist nach 5 Jahren) wechselst du zur ordentlichen Veranlagung. Du reichst jährlich eine Steuererklärung ein und kannst folgende Abzüge geltend machen:
- Berufskosten (Fahrtkosten, Weiterbildung)
- Schuldzinsen (Hypothek)
- Säule 3a (bis CHF 7'258 pro Jahr mit Pensionskasse, 2026)
- Krankheitskosten über Selbstbehalt
- Kinderbetreuungskosten
- Spendenabzüge
Das 3-Säulen-System
Die Schweizer Altersvorsorge basiert auf 3 Säulen:
- 1. Säule – AHV/IV: Staatliche Grundrente. Pflicht für alle. Finanziert durch Lohnbeiträge (5.3% AN + 5.3% AG). Beitragsabhängige Rente.
- 2. Säule – Pensionskasse (BVG): Betriebliche Altersvorsorge. Pflicht ab CHF 22'680 Jahreslohn (2026). Arbeitgeber zahlt mind. 50%. Beim Jobwechsel wird das Kapital auf neue Pensionskasse übertragen.
- 3. Säule – Private Vorsorge: Freiwillig, steuerbegünstigt (3a) oder frei (3b).
Säule 3a – Der wichtigste Steuertrick
Die Säule 3a (gebundene Selbstvorsorge) ist das wichtigste Steuerspar-Instrument in der Schweiz:
- Maximaler Einzahlungsbetrag Angestellte: CHF 7'258/Jahr (2026)
- Vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar
- Kapital wird erst bei Auszahlung (Pensionierung, Kauf Eigenheim, Auswanderung) besteuert – zu günstigen Sätzen
- Anlage möglich: Sparkonto oder Wertschriften (empfohlen für junge Menschen)
Säule 3a: Finpension oder VIAC als günstige Anbieter
Kantonale Steuerunterschiede
Die kantonalen Steuerbelastungen variieren enorm (Richtwerte):
- Günstigste Kantone: Zug, Schwyz, Nidwalden, Uri, Appenzell Innerrhoden
- Mittelfeld: Zürich, Thurgau, Aargau, Luzern
- Teuerste Kantone: Genf, Neuenburg, Waadt, Bern, Basel-Landschaft
Rechenbeispiel: Was die Säule 3a einer Familie bringt
Beide Eltern sind angestellt und zahlen je den Maximalbetrag von CHF 7'258 ein – zusammen CHF 14'516 pro Jahr. Wie viel Steuern das spart, hängt vom Grenzsteuersatz ab (dem Satz, mit dem der «letzte» Franken besteuert wird):
| Grenzsteuersatz | Ersparnis pro Person | Ersparnis Familie |
|---|---|---|
| 15 % | CHF 1'089 | CHF 2'177 |
| 20 % | CHF 1'452 | CHF 2'903 |
| 25 % | CHF 1'815 | CHF 3'629 |
| 30 % | CHF 2'177 | CHF 4'355 |
Vereinfachte Rechnung. Bei der Auszahlung wird das Kapital getrennt vom übrigen Einkommen zu einem reduzierten Satz besteuert. Mit Quellensteuer gibt es den Abzug nur über die nachträgliche ordentliche Veranlagung.
Was Familien bei den Steuern spart
- Kinderabzug: Für jedes Kind gibt es beim Bund und in allen Kantonen einen Abzug vom steuerbaren Einkommen – dazu beim Bund einen zusätzlichen Abzug direkt vom Steuerbetrag.
- Kinderbetreuung: Kosten für Kita, Tagesschule oder Tageseltern sind bis zu einem Höchstbetrag abziehbar.
- Verheiratete: Beim Bund gilt ein eigener Tarif für Verheiratete und Alleinerziehende, dazu ein Zweiverdienerabzug.
- Versicherungsprämien: Ein Teil der Krankenkassenprämien ist abziehbar, für Kinder gibt es höhere Pauschalen.
- Berufskosten: Arbeitsweg (beim Bund begrenzt), Verpflegung, Weiterbildung.
Die genauen Beträge unterscheiden sich je Kanton. Rechnet eure Situation mit dem offiziellen Steuerrechner der ESTV durch.
Steuerkalender für Familien
| Wann | Was |
|---|---|
| Januar – Februar | Lohnausweis vom Arbeitgeber, Bescheinigungen von Säule 3a, Bank, Krankenkasse sammeln |
| bis 31. März | Quellensteuer: Frist für den freiwilligen Antrag auf nachträgliche Veranlagung (nicht verlängerbar) |
| Frühling | Mit C-Ausweis: Steuererklärung einreichen (Frist je Kanton, Verlängerung meist möglich) |
| Laufend | Provisorische Steuerrechnungen bzw. Raten zahlen |
| bis 31. Dezember | Säule 3a einzahlen – nur Einzahlungen im Kalenderjahr zählen |
Und die Steuern in Deutschland?
Für das Jahr des Umzugs macht ihr in Deutschland in der Regel noch eine Steuererklärung für die Monate vor dem Wegzug. Wer in Deutschland Einkünfte behält (z. B. eine vermietete Wohnung), bleibt dort mit diesen Einkünften beschränkt steuerpflichtig. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz regelt, welches Land was besteuert – bei Vermögen und Immobilien lohnt sich eine Beratung.