Finanzen

Steuern in der Schweiz

Quellensteuer, Kantonssteuer, Bundessteuer und das 3-Säulen-System – so funktioniert das Schweizer Steuer- und Vorsorgesystem für Neuzuzüger.

Tiefere Steuern als in Deutschland – aber nicht überall

Die Schweiz gilt zu Recht als Tiefsteuerland – aber die kantonalen Unterschiede sind enorm. In Zug zahlst du einen Bruchteil dessen, was in Zürich oder Genf fällig wird. Die Wahl des Kantons ist die wichtigste Steuerentscheidung.

Das Schweizer Steuersystem – 3 Ebenen

In der Schweiz zahlt man Steuern auf drei Ebenen:

  1. Bund: Direkte Bundessteuer (einheitlich, progressiv)
  2. Kanton: Kantonssteuer (grosse Unterschiede!)
  3. Gemeinde: Gemeindesteuer (Zuschlag zur Kantonssteuer)

Die Kombination von Kantonssteuer und Gemeindesteuer macht den grössten Unterschied aus. In Zug kann der kombinierte Steuersatz halb so hoch sein wie in Genf.

Quellensteuer – für Neuzuzüger mit B-Ausweis

Wer einen B-Ausweis hat und keinen Schweizer Bürger geheiratet hat, unterliegt der Quellensteuer. Das bedeutet:

  • Die Steuer wird direkt vom Arbeitgeber vom Lohn abgezogen und an den Kanton überwiesen
  • Du musst (in der Regel) keine Steuererklärung einreichen
  • Der Steuersatz richtet sich nach Kanton, Einkommen, Zivilstand und Tarif (A, B, C, H)
  • Nachteil: Viele Abzüge (Berufskosten, Versicherungen) kannst du nicht geltend machen

Nachträgliche ordentliche Veranlagung (NOV) beantragen

Auch mit Quellensteuer kannst du in allen Kantonen eine nachträgliche ordentliche Veranlagung beantragen – besonders sinnvoll wenn du hohe Abzüge hast (Säule 3a, Krankheitskosten, Berufskosten, Schuldzinsen). Das kann zu einer Rückerstattung führen. Ab CHF 120'000 Bruttolohn ist die ordentliche Veranlagung in allen Kantonen Pflicht.

Ordentliche Veranlagung

Mit C-Ausweis (für Deutsche meist nach 5 Jahren) wechselst du zur ordentlichen Veranlagung. Du reichst jährlich eine Steuererklärung ein und kannst folgende Abzüge geltend machen:

  • Berufskosten (Fahrtkosten, Weiterbildung)
  • Schuldzinsen (Hypothek)
  • Säule 3a (bis CHF 7'258 pro Jahr mit Pensionskasse, 2026)
  • Krankheitskosten über Selbstbehalt
  • Kinderbetreuungskosten
  • Spendenabzüge

Das 3-Säulen-System

Die Schweizer Altersvorsorge basiert auf 3 Säulen:

  1. 1. Säule – AHV/IV: Staatliche Grundrente. Pflicht für alle. Finanziert durch Lohnbeiträge (5.3% AN + 5.3% AG). Beitragsabhängige Rente.
  2. 2. Säule – Pensionskasse (BVG): Betriebliche Altersvorsorge. Pflicht ab CHF 22'680 Jahreslohn (2026). Arbeitgeber zahlt mind. 50%. Beim Jobwechsel wird das Kapital auf neue Pensionskasse übertragen.
  3. 3. Säule – Private Vorsorge: Freiwillig, steuerbegünstigt (3a) oder frei (3b).

Säule 3a – Der wichtigste Steuertrick

Die Säule 3a (gebundene Selbstvorsorge) ist das wichtigste Steuerspar-Instrument in der Schweiz:

  • Maximaler Einzahlungsbetrag Angestellte: CHF 7'258/Jahr (2026)
  • Vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehbar
  • Kapital wird erst bei Auszahlung (Pensionierung, Kauf Eigenheim, Auswanderung) besteuert – zu günstigen Sätzen
  • Anlage möglich: Sparkonto oder Wertschriften (empfohlen für junge Menschen)

Säule 3a: Finpension oder VIAC als günstige Anbieter

Statt die Säule 3a bei der Hausbank zu einem Niedrigzins zu parkieren, lohnt sich eine Wertschriftenlösung (z.B. VIAC, Finpension). Langfristig deutlich höhere Rendite als Sparkonto.

Kantonale Steuerunterschiede

Die kantonalen Steuerbelastungen variieren enorm (Richtwerte):

  • Günstigste Kantone: Zug, Schwyz, Nidwalden, Uri, Appenzell Innerrhoden
  • Mittelfeld: Zürich, Thurgau, Aargau, Luzern
  • Teuerste Kantone: Genf, Neuenburg, Waadt, Bern, Basel-Landschaft

Rechenbeispiel: Was die Säule 3a einer Familie bringt

Beide Eltern sind angestellt und zahlen je den Maximalbetrag von CHF 7'258 ein – zusammen CHF 14'516 pro Jahr. Wie viel Steuern das spart, hängt vom Grenzsteuersatz ab (dem Satz, mit dem der «letzte» Franken besteuert wird):

GrenzsteuersatzErsparnis pro PersonErsparnis Familie
15 %CHF 1'089CHF 2'177
20 %CHF 1'452CHF 2'903
25 %CHF 1'815CHF 3'629
30 %CHF 2'177CHF 4'355

Vereinfachte Rechnung. Bei der Auszahlung wird das Kapital getrennt vom übrigen Einkommen zu einem reduzierten Satz besteuert. Mit Quellensteuer gibt es den Abzug nur über die nachträgliche ordentliche Veranlagung.

Was Familien bei den Steuern spart

  • Kinderabzug: Für jedes Kind gibt es beim Bund und in allen Kantonen einen Abzug vom steuerbaren Einkommen – dazu beim Bund einen zusätzlichen Abzug direkt vom Steuerbetrag.
  • Kinderbetreuung: Kosten für Kita, Tagesschule oder Tageseltern sind bis zu einem Höchstbetrag abziehbar.
  • Verheiratete: Beim Bund gilt ein eigener Tarif für Verheiratete und Alleinerziehende, dazu ein Zweiverdienerabzug.
  • Versicherungsprämien: Ein Teil der Krankenkassenprämien ist abziehbar, für Kinder gibt es höhere Pauschalen.
  • Berufskosten: Arbeitsweg (beim Bund begrenzt), Verpflegung, Weiterbildung.

Die genauen Beträge unterscheiden sich je Kanton. Rechnet eure Situation mit dem offiziellen Steuerrechner der ESTV durch.

Steuerkalender für Familien

WannWas
Januar – FebruarLohnausweis vom Arbeitgeber, Bescheinigungen von Säule 3a, Bank, Krankenkasse sammeln
bis 31. MärzQuellensteuer: Frist für den freiwilligen Antrag auf nachträgliche Veranlagung (nicht verlängerbar)
FrühlingMit C-Ausweis: Steuererklärung einreichen (Frist je Kanton, Verlängerung meist möglich)
LaufendProvisorische Steuerrechnungen bzw. Raten zahlen
bis 31. DezemberSäule 3a einzahlen – nur Einzahlungen im Kalenderjahr zählen

Und die Steuern in Deutschland?

Für das Jahr des Umzugs macht ihr in Deutschland in der Regel noch eine Steuererklärung für die Monate vor dem Wegzug. Wer in Deutschland Einkünfte behält (z. B. eine vermietete Wohnung), bleibt dort mit diesen Einkünften beschränkt steuerpflichtig. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz regelt, welches Land was besteuert – bei Vermögen und Immobilien lohnt sich eine Beratung.

Häufige Fragen

Wann wechsle ich von Quellensteuer zur ordentlichen Veranlagung?
Mit dem C-Ausweis wechselst du automatisch zur ordentlichen Veranlagung (wie Schweizer Bürger). Mit B-Ausweis ist die nachträgliche ordentliche Veranlagung ab CHF 120'000 Bruttolohn pro Person Pflicht, in einigen Kantonen auch bei weiteren Einkünften oder Vermögen. Darunter kannst du sie bis 31. März des Folgejahres freiwillig beantragen.
Ist die Steuerbelastung wirklich niedriger als in Deutschland?
In vielen Kantonen ja – besonders in Zug, Schwyz, Nidwalden, Uri. Im Kanton Zürich oder Genf ist der Unterschied geringer. Zudem sind Kapitalgewinne aus Privatvermögen in der Schweiz steuerfrei, was für Investoren ein grosser Vorteil ist.
Was ist die Säule 3a und lohnt sie sich?
Die Säule 3a ist ein steuerbegünstigtes Sparkonto für die Altersvorsorge. Du kannst pro Jahr CHF 7'258 (Angestellte) oder bis CHF 36'288 (Selbständige ohne Pensionskasse) einzahlen und den Betrag vollständig vom steuerbaren Einkommen abziehen. Bei einem Grenzsteuersatz von 25% spart das rund CHF 1'800 Steuern pro Jahr (Stand 2026).