Leben · Familie

Natur & Freizeit mit Kindern

Berge, Seen, Wälder und Schnee – oft nur eine kurze Zugfahrt entfernt. Hier erfahrt ihr, was Familien in der Schweiz am Wochenende machen, und wie ihr das Beste daraus holt.

Familie mit zwei Kindern wandert über eine blühende Alpwiese mit Wegweiser
Samstagmorgen, gelber Wegweiser, Rucksack mit Znüni – so beginnen viele Familienwochenenden in der Schweiz.

Natur vor der Haustür – mitten im Alltag

Was Familien aus Deutschland in der Schweiz am meisten geniessen, ist nicht der Lohn. Es ist das Gefühl, dass die Natur Teil des Alltags ist und nicht der Urlaub. Der Wald beginnt am Ende des Quartiers. Der See ist nach Feierabend erreichbar. Und wer am Samstagmorgen in den Zug steigt, steht eine Stunde später oft auf einer Alp.

  • Rund 65'000 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen das Land – dichter als fast irgendwo sonst.
  • Mehr als 1'500 Seen, viele davon mit Trinkwasserqualität und öffentlichen Ufern.
  • Feuerstellen in fast jedem Wald – kostenlos, mit Holz und Tischen.
  • Der ÖV fährt bis ins letzte Bergdorf – mit Postauto, Zahnradbahn und Seilbahn.

Für Kinder heisst das: viel draussen, viel Bewegung, viel Freiheit. Das ist für viele Eltern der eigentliche Grund, warum sie geblieben sind.

Ein Jahr in der Schweiz: was Familien machen

Brote auf einem Schweizer Wochenmarkt
Frühling

Märkte, Blustfahrten und erste Wanderungen

Wochenmärkte in jedem Städtchen, Kirschblüte im Baselbiet und am Zugersee, Ostereier färben, Velotouren an Flüssen entlang. In den Frühlingsferien beginnt die Wandersaison in tieferen Lagen.

Familie beim Picknick an einem Bergsee
Sommer

Badi, See und Bergsommer

Nach Feierabend in die Badi oder den See, an den Wochenenden Alpwanderungen und Übernachtungen in SAC-Hütten. Am 1. August feiert das ganze Land den Nationalfeiertag mit Höhenfeuern und Lampions.

Kühe auf einer Alp über einem türkisfarbenen Bergsee
Herbst

Alpabzug, Wald und Marroni

Im September kehren die geschmückten Kühe von der Alp zurück – ein Fest für Kinder. Im Wald wird gebrätelt, auf den Märkten gibt es heisse Marroni, in vielen Dörfern Herbstmessen.

Verschneites Bergdorf mit beleuchteter Kirche am Abend
Winter

Schlitteln, Skifahren, Fondue

Schlittelwege, Skilager der Schule, Eisbahnen in vielen Gemeinden. Abends Fondue oder Raclette. Weihnachtsmärkte, Räbeliechtli-Umzüge im November und Fasnacht im Februar.

Wandern mit Kindern

Wandern ist in der Schweiz Volkssport – und das Wegnetz ist einheitlich markiert. Wer die Farben kennt, wählt sicher passende Touren:

MarkierungWegFür Familien
GelbWanderwegideal, auch mit Kinderwagen-tauglichen Abschnitten und kleinen Kindern
Weiss-rot-weissBergwanderwegTrittsicherheit nötig, für geübte Kinder mit guten Schuhen
Weiss-blau-weissAlpinwanderwegnicht für Familienausflüge

Die Zeitangaben auf den gelben Wegweisern gelten für Erwachsene. Faustregel mit Kindern: Zeit verdoppeln und Pausen einplanen. Kinder lieben Ziele: einen Bach zum Stauen, einen Spielplatz am Bergrestaurant, eine Hütte mit Sirup.

  • Themenwege: Viele Bergbahnen bieten Familienwege mit Erlebnisposten, Murmelbahnen oder Zwergenwegen.
  • Hüttenübernachtung: Eine Nacht in einer SAC-Hütte ist für Kinder ein Abenteuer. Früh reservieren.
  • Planen: Die kostenlose App bzw. Website von SchweizMobil zeigt alle offiziellen Routen mit Dauer und Höhenmetern.

Unsere Lieblingsrouten mit Kindern: Wandern in der Schweiz mit Familie.

Bräteln: das Schweizer Familienritual

«Bräteln» heisst: Feuer machen und Würste grillieren – am liebsten eine Cervelat, die man an den Enden kreuzweise einschneidet. Fast jeder Wald hat öffentliche Feuerstellen, oft mit Holzvorrat, Rost und Tisch. Kostenlos und für alle.

  • Mitnehmen: Zeitungspapier, Anzündhilfe, Sackmesser zum Spitzen der Stecken, Würste, Brot, Senf, Marshmallows.
  • Kinder sammeln Holz und schnitzen Stecken – ein Nachmittag ist schnell vorbei.
  • Feuer ganz löschen und Abfall mitnehmen – das wird erwartet.
  • Bei Trockenheit: Feuerverbote beachten (Website des Kantons).

Badis, Seen und Flüsse

Im Sommer gehört die Badi zum Alltag. Fast jede Gemeinde hat ein Freibad oder Seebad, oft mit Kinderbecken, Sprungturm und Kiosk. Viele Gemeinden bieten Saisonabos für Familien – für einen Bruchteil dessen, was einzelne Eintritte kosten.

  • Seebäder: Ob Zürichsee, Thunersee oder Vierwaldstättersee – an vielen Ufern gibt es öffentliche Badeplätze mit Wiese.
  • Flussschwimmen: In Basel lassen sich im Sommer viele Menschen im Rhein treiben, ihre Sachen im wasserdichten Schwimmsack. Auch in Bern (Aare) und Zürich (Limmat) ist das Tradition. Mit Kindern nur an ruhigen, bewachten Stellen.
  • Hallenbäder: Für Schwimmkurse und den Winter. Schwimmunterricht ist in vielen Schulen Teil des Stundenplans.
Basler Altstadt mit Münster am Rheinufer
Basel am Rhein: Im Sommer lassen sich hier viele Menschen nach Feierabend flussabwärts treiben.

Baderegeln

Kinder nie unbeaufsichtigt ans Wasser lassen, nicht überhitzt ins kalte Wasser springen, unbekannte Gewässer meiden. Die SLRG (Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft) bietet Schwimm- und Wassersicherheitskurse für Kinder an.

Schnee und Wintersport

Viele Kinder lernen in der Schweiz Skifahren über die Schule: Schneesporttage und Skilager sind weit verbreitet. Aber auch ohne Ski ist der Winter ein Erlebnis.

  • Schlitteln: Viele Bergbahnen haben markierte Schlittelwege, Schlitten kann man vor Ort mieten.
  • Skifahren lernen: Kleinere Skigebiete mit Kinderland, Zauberteppich und Skischule eignen sich am besten. Kinder ab etwa 3–4 Jahren können in Gruppenkursen starten.
  • Ausrüstung mieten: Viele Sportgeschäfte bieten eine Saisonmiete für Kinderski – meist günstiger als jedes Jahr neue Ausrüstung. Dazu gibt es im Herbst Skibörsen mit gebrauchtem Material.
  • Eisbahn: Viele Gemeinden haben im Winter eine Kunsteisbahn, Schlittschuhe gibt es zum Mieten.
  • Winterwandern: Präparierte Winterwanderwege sind pink markiert.

Saisonmiete statt Kauf

Kinder wachsen schnell. Eine Saisonmiete für Kinderski kostet oft weniger als zwei Tagesmieten-Wochenenden – und ihr könnt die Grösse im nächsten Winter einfach wechseln.

Vereine und Hobbys: hier entstehen Freundschaften

Die Schweiz ist ein Land der Vereine. Für Kinder ist ein Verein der schnellste Weg zu Freunden – und für Eltern auch: Wer am Spielfeldrand steht oder beim Turnfest Kuchen verkauft, gehört schnell dazu.

  • Fussball, Turnen, Leichtathletik, Unihockey, Schwimmen: In fast jeder Gemeinde.
  • Pfadi: Die Schweizer Pfadfinder – jeden Samstagnachmittag draussen, mit Lagern in den Ferien.
  • Musikschule: Von der Gemeinde subventioniert, mit Instrumentenmiete.
  • Jugend+Sport: Das Bundesprogramm unterstützt Sportangebote für Kinder und Jugendliche von 5 bis 20 Jahren – darum sind viele Vereinsbeiträge erstaunlich tief.
  • Ferienpass: In den Sommerferien bieten viele Gemeinden ein günstiges Kursprogramm: Kochen, Klettern, Feuerwehr besuchen, Töpfern.

Günstig unterwegs

Der ÖV ist für Familien eine der besten Erfindungen der Schweiz:

  • Kinder unter 6 fahren in Begleitung gratis.
  • Junior-Karte: Für CHF 30 pro Jahr fahren Kinder bis zum 16. Geburtstag in Begleitung eines Elternteils mit Zug, Bus, Tram und vielen Schiffen gratis – ab dem 3. Kind ist die Karte kostenlos. Für Ausflüge mit Grosseltern oder Gotte/Götti gibt es die Kinder-Mitfahrkarte zum selben Preis.
  • Halbtax: Für Erwachsene halbiert es viele Billette – lohnt sich oft schon nach wenigen Ausflügen.
  • Sparbillette und Tageskarten gibt es in der SBB-App, oft deutlich unter dem Normalpreis.
Mutter mit zwei Kindern im Zug, die Kinder zeigen auf See und Berge
Der Ausflug beginnt im Zug: Mit der Junior-Karte fahren Kinder in Begleitung eines Elternteils gratis.

Alle Familienangebote im Detail: Öffentlicher Verkehr für Familien.

Was kostet ein Familienausflug? Ein Rechenbeispiel

Familie mit 2 Kindern (5 und 9 Jahre), beide Eltern mit Halbtax, das ältere Kind mit Junior-Karte. Ausflug mit Zug zu einer Bergbahn, Wanderung, Bräteln:

PostenKosten (Richtwert)
Zug für 2 Erwachsene mit Halbtax (Hin- und Rückfahrt, ca. 1 Std.)CHF 40–70
Kinder (unter 6 gratis, 9-Jährige mit Junior-Karte)CHF 0
Bergbahn (viele Bahnen geben Halbtax-Ermässigung)CHF 30–80
Bräteln: Würste, Brot, Getränke aus dem SupermarktCHF 20–30
Glace oder Sirup im BergrestaurantCHF 15–25
Totalca. CHF 105–205

Wer mit eigenem Proviant unterwegs ist und eine Wanderung ohne Bergbahn wählt, kommt mit deutlich weniger aus. Ein Tag im Wald mit Bräteln kostet fast nichts – und ist bei Kindern oft der Lieblingsausflug.

Vor dem Umzug einstimmen

Ein Reiseführer und ein Kinderbuch über die Schweiz machen die neue Heimat für die ganze Familie greifbarer – und sorgen für Vorfreude statt Abschiedsschmerz.

Häufige Fragen

Muss man in der Schweiz Ski fahren können?
Nein – aber viele Kinder lernen es über die Schule. Schneesporttage und Skilager sind weit verbreitet, und viele Skigebiete haben Kinderländer und Skischulen. Wer nicht Ski fährt, geht schlitteln, winterwandern oder eislaufen.
Darf man überall im Wald ein Feuer machen?
Grundsätzlich an den öffentlichen Feuerstellen, die es in fast jedem Wald gibt. Bei Trockenheit erlassen Kantone und Gemeinden Feuerverbote – diese gelten auch für Feuerstellen. Prüft vor dem Ausflug die Hinweise eures Kantons.
Wie finden wir familientaugliche Wanderungen?
Gelb markierte Wanderwege sind ideal. SchweizMobil zeigt alle offiziellen Wege mit Dauer und Höhenmetern. Viele Bergbahnen haben eigene Familienwege mit Spielplätzen, Erlebnisposten oder Murmelbahnen.
Ist Schwimmen im Fluss gefährlich?
Flüsse haben Strömungen und kaltes Wasser. Schwimmt mit Kindern nur an bewachten oder ausgeschilderten Stellen und beachtet die Baderegeln der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Kinder gehören ins Wasser nur mit Begleitung.
Wo finden unsere Kinder Freunde?
In Vereinen: Fussball, Turnen, Pfadi, Schwimmclub, Musikschule. Dank dem Bundesprogramm «Jugend+Sport» sind viele Kinderangebote im Verein günstig. Fragt in der Gemeinde nach einer Vereinsliste.

Quellen: Schweizer Wanderwege; SchweizMobil; Bundesamt für Sport (BASPO): Jugend+Sport; SBB: Junior-Karte und Halbtax; SLRG: Baderegeln. Preise sind Richtwerte, Stand Oktober 2026.