Zehn Jahre lang war ich als Service-Techniker für einen Maschinenbauer in der Pharma- und Medizintechnik rund um die Welt unterwegs – 42 Länder, 250 bis 300 Tage im Jahr im Ausland. Die Schweiz hat mich dabei schon lange fasziniert: kaum irgendwo liegt starke Industrie so nah an der für mich schönsten Natur der Welt. Und die zentrale Lage zwischen Deutschland, Frankreich und Italien hat mir immer gefallen.
Trotz der vielen Reisetage habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Sie stammt aus einem Drittland, ich aus Deutschland. Irgendwann stand die Entscheidung im Raum: gemeinsam neu anfangen – in einem Land, das für uns beide neutral ist. Kein Heimvorteil für den einen oder die andere, keine alten Gewohnheiten. Einfach zusammen bei null beginnen. Die Schweiz war für uns dieser neutrale Boden.
Der Anfang – und wo ich Glück hatte
Beim Job hatte ich mehrfach Glück: Ich konnte innerhalb meiner Firma «auswandern» – im Grunde war es nur ein Standortwechsel. Dazu bin ich in einer gefragten Branche (Pharma und Medizintechnik) und als Service-Techniker ohnehin gesucht.
Die Wohnungssuche war nicht einfach, aber spürbar entspannter als im Raum Stuttgart. Schnell habe ich gemerkt: In der Schweiz möchte man den künftigen Mieter kennenlernen. Betreibungsauszug, Lohnnachweis und am besten ein Arbeitszeugnis, das die Zuverlässigkeit bestätigt – hat man das beisammen, ist der Rest Formsache.
Die Kosten hielten sich in Grenzen. Mir reichte eine Lieferwagenladung für das Wichtigste, dazu hin und wieder ein paar Autoladungen Kisten. Meine Frau kam mit zwei Koffern und zwei Rucksäcken – den Rest haben wir mit der Zeit neu aufgebaut. Als Wohnort haben wir das Baselbiet gewählt: Nähe zu Frankreich und Deutschland, die meisten Pharma-Kunden nicht weit weg – und Basel-Stadt ist mir als Landei dann doch zu gross.
Ankommen braucht Zeit
Ehrlich gesagt war der Anfang nicht leicht. Kultur und Mentalität sind doch deutlich anders als in Deutschland – das merkt man als Bewohner viel stärker als früher auf meinen Montagen. Aber: Die Menschen sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, die Sauberkeit ist herrlich, und der Lebensstandard ist höher. Man muss dafür allerdings auch etwas leisten – nicht umsonst sind es im Schnitt nur 25 bis 27 Urlaubstage und 9 Feiertage. Dafür geht es bei der Arbeit entspannter, aber durchdachter zu.
Für meine Frau als Drittland-Angehörige
Bei ihr hat das Visum etwas gedauert – rund fünf Monate. Die Berichte im Internet waren dabei extrem unterschiedlich, das hat das Warten nicht leichter gemacht. Auch die Sprache ist für sie die grössere Hürde: Sie lernt Deutsch – und hier spricht kaum jemand «echtes» Hochdeutsch. Ich habe mich schnell an den Dialekt gewöhnt, aber ich kenne Deutsch gut und bin verschiedene Mundarten gewohnt. Wir arbeiten Tag für Tag an ihrem Deutsch, und Tag für Tag wird es besser. Das Wichtigste ist: dranbleiben.
Mein wichtigster Tipp
Ich bin damals zuerst allein in die Schweiz gekommen. Rückblickend hätte ich besser erst eine Monteurs- oder Übergangswohnung genommen und dann in Ruhe vor Ort gesucht. Denn wer schon im Land ist, kann auch unter der Woche Wohnungen besichtigen. Ich war auf Wochenenden und späte Freitagnachmittage begrenzt – das hat mich viele Nerven gekostet. Das hing aber auch damit zusammen, dass wir nicht wussten, wann ihr Visum kommt: Sie wohnte 2'500 km entfernt, ausserhalb der EU.
Warum es diese Seite gibt
Mir hat genau so eine Seite gefehlt. Eine, die dir die Angst vor dem Schritt nimmt. Eine, die nicht so sparsam mit Informationen ist, dass du am Ende eine bezahlte Beratungsstunde buchen musst. Eine, die konkret sagt, was du wirklich brauchst. Ich habe mir damals alles selbst zusammengewürfelt – aus Internet-Schnipseln und Facebook-Foren, in denen die Meinungen weit auseinandergingen. Diese Seite soll es besser machen. Und sie wird mit der Zeit weiter wachsen.
Johann Lorenz
Liestal, Kanton Basel-Landschaft · mail@JohannLorenz.com