Krankenkasse

Prämienverbilligung: der Anspruch, den viele Neuzuzüger vergessen

Die kantonale Prämienverbilligung (IPV) kann Familien hunderte Franken pro Monat bringen – wird aber erstaunlich selten beantragt.

Johann Lorenz 7 Min. Lesezeit Stand: Oktober 2026

Sofort prüfen – viele Familien lassen Geld liegen

Viele Anspruchsberechtigte beziehen keine Prämienverbilligung – meist weil sie gar nicht wissen, dass sie Anspruch haben. Als Neuzuzüger aus Deutschland ist das Risiko besonders hoch.

Was ist die Prämienverbilligung (IPV)?

Die individuelle Prämienverbilligung (IPV) ist eine staatliche Subvention, mit der Bund und Kantone die Krankenkassenprämien für Personen mit tiefem bis mittlerem Einkommen vergünstigen. Der Bund legt den Mindestbeitrag fest, die Kantone können mehr geben. Die IPV wird direkt an die Krankenkasse ausbezahlt – du zahlst einfach weniger.

In der Schweiz gibt es keine staatliche Krankenversicherung. Die IPV ist das Instrument, das das System sozial ausgewogen hält.

Wer hat Anspruch?

Anspruch haben grundsätzlich alle Personen, die:

  • In der Schweiz wohnhaft und steuerpflichtig sind
  • Die kantonalen Einkommensgrenzen unterschreiten
  • Eine Schweizer Grundversicherung abgeschlossen haben

Achtung: Grenze gilt nicht für den Bruttolohn

Die Kantone vergleichen nicht euren Bruttolohn, sondern ein massgebendes Einkommen, das sie aus der Steuerveranlagung ableiten – mit kantonal unterschiedlichen Abzügen und Zuschlägen. Zahlen aus einem Kanton lassen sich deshalb nicht auf einen anderen übertragen.

Zwei Beispiele für ein Ehepaar mit zwei Kindern zeigen, wie gross die Unterschiede sind:

KantonObergrenze massgebendes EinkommenQuelle
Zürich (2026, Prämienregion 1)CHF 126'720SVA Zürich
Basel-Landschaft (Tabelle 2025)CHF 88'000SVA Basel-Landschaft

Für ein Ehepaar ohne Kinder liegt die Grenze in Basel-Landschaft bei CHF 51'000 massgebendem Einkommen. Ausserdem rechnen manche Kantone mit älteren Steuerjahren: Basel-Landschaft nimmt die Steuerveranlagung von vor zwei Jahren.

So prüft ihr euren Anspruch richtig: den IPV-Rechner auf der Website der SVA oder Ausgleichskasse eures Kantons nutzen und die eigene Steuerveranlagung bereithalten.

Neuzuzüger: Im ersten Jahr geschätztes Einkommen angeben

Da das Einkommen im ersten Jahr unbekannt ist, basiert die IPV oft auf einer Schätzung. Gib dein voraussichtliches Jahreseinkommen an – der Betrag wird später angepasst.

Prämienverbilligung für Verheiratete: so wird gerechnet

Ehepaare werden in der Schweiz gemeinsam besteuert. Deshalb schauen die Kantone auch bei der Prämienverbilligung auf das gemeinsame massgebende Einkommen beider Partner – und vergleichen es mit eigenen, höheren Grenzen für Ehepaare. So unterschiedlich sind diese Grenzen:

KantonEhepaar ohne KinderEhepaar mit 2 KindernStand
Zürich (Prämienregion 1, Erwachsene über 25)CHF 101'760CHF 126'7202026
Basel-LandschaftCHF 51'000CHF 88'000Dekret, seit 2014
AargauCHF 55'000CHF 75'9002026

Quellen: SVA Zürich, IPV 2026 Einkommensgrenzen; Kanton Basel-Landschaft, Dekret über die Einkommensobergrenzen in der Prämienverbilligung; GDK, Synopsis Prämienverbilligung 2026.

  • Höherer Eigenanteil: Manche Kantone verlangen von Ehepaaren einen höheren Anteil am Einkommen als von Alleinstehenden. Im Kanton Zürich sind es 2027 11,8 % für Ehepaare und 9,4 % für Alleinstehende.
  • Vermögen zählt mit: Im Kanton Zürich gibt es für Verheiratete keinen Anspruch über CHF 300'000 Vermögen; im Aargau und in Basel-Landschaft werden 20 % des steuerbaren Vermögens zum Einkommen gerechnet.
  • Konkubinat: Im Aargau gelten Konkubinatspaare wie Ehepaare. In Basel-Stadt werden Paare mit gemeinsamem Kind oder nach fünf Jahren Zusammenleben gemeinsam berechnet. Andere Kantone rechnen jede Person einzeln.
  • Heirat, Geburt, Trennung: Solche Änderungen beeinflussen den Anspruch. Meldet sie der zuständigen Stelle (SVA bzw. Ausgleichskasse).

Gerade nach der Heirat prüfen

Nach einer Heirat ändert sich die Berechnung. Je nach Kanton und Einkommen kann der Anspruch steigen oder wegfallen. Nutzt den IPV-Rechner eures Kantons mit dem neuen Haushalt.

Mehr zu einzelnen Kantonen: Zürich · Basel-Landschaft · Aargau

Wie hoch ist die Prämienverbilligung?

Auch das legt jeder Kanton selbst fest. Meist gilt: Der Kanton bestimmt eine Richtprämie und einen Anteil am Einkommen, den ihr selbst tragen müsst. Die Differenz bekommt ihr als Verbilligung – direkt an die Krankenkasse überwiesen. Je tiefer das massgebende Einkommen und je mehr Kinder, desto höher der Beitrag.

Konkrete Beträge nennen wir bewusst nicht: Sie hängen von Kanton, Prämienregion, Einkommen und Vermögen ab. Der Rechner eures Kantons zeigt den genauen Betrag.

Wie beantragen?

  1. Zuständige Stelle finden: Meist das kantonale Steueramt, Sozialamt oder eine eigene IPV-Stelle. Suchbegriff: «Prämienverbilligung + [dein Kanton]».
  2. Formular ausfüllen: Meist online oder per Post. Benötigt: AHV-Nummer, Krankenkassen-Policennummer, Einkommensnachweis (Lohnausweis).
  3. Frist beachten: Die Fristen sind kantonal verschieden. In Basel-Landschaft können Zuzüger aus dem Ausland z. B. bis 31. Dezember schriftlich beantragen. Wer die Frist verpasst, verliert den Anspruch oft für das ganze Jahr – deshalb gleich nach dem Zuzug klären.
  4. IPV fliesst direkt an Kasse: Du erhältst eine Bestätigung, deine Kasse schreibt den Betrag gut oder stellt tiefere Rechnungen.

Hilfreiche offizielle Links

Häufige Fragen

Bekommen Verheiratete weniger Prämienverbilligung?
Nicht unbedingt weniger – aber anders gerechnet. Bei Ehepaaren zählt das gemeinsame Einkommen aus der gemeinsamen Steuerveranlagung, dafür gelten höhere Einkommensgrenzen als für Alleinstehende. Im Kanton Zürich tragen Ehepaare 2027 einen Eigenanteil von 11,8 % ihres Einkommens, Alleinstehende 9,4 %.
Wie werden Konkubinatspaare bei der Prämienverbilligung behandelt?
Das ist kantonal verschieden. Im Aargau gelten Konkubinatspaare wie Ehepaare. In Basel-Stadt werden Paare mit gemeinsamem Kind oder nach fünf Jahren Zusammenleben gemeinsam berechnet. Andere Kantone rechnen getrennt – fragt bei eurer kantonalen Stelle nach.
Bekomme ich als Neuzuzüger auch Prämienverbilligung?
Ja – sobald du in der Schweiz wohnhaft und steuerpflichtig bist, hast du grundsätzlich Anspruch auf IPV wenn dein Einkommen die kantonalen Schwellenwerte unterschreitet. Im ersten Jahr oft auf Basis des geschätzten Einkommens.
Wie hoch ist die Prämienverbilligung?
Das variiert stark nach Kanton und Einkommen. Jeder Kanton rechnet anders. Verlässlich ist nur der Online-Rechner deines Kantons (meist bei der SVA bzw. Ausgleichskasse).
Muss ich den Antrag jedes Jahr neu stellen?
In vielen Kantonen ja – der Antrag muss jährlich erneuert werden, meist bis März oder April des Folgejahres. Einige Kantone (z.B. Basel-Landschaft) versenden automatisch Formulare.
Werden Kinder separat beantragt?
Kinder sind Teil des Haushalts und werden mitberechnet. Für Kinder aus Haushalten mit unteren und mittleren Einkommen müssen die Kantone die Prämie um mindestens 80 % verbilligen. Ob ihr darunter fallt, entscheidet wieder die kantonale Einkommensgrenze.
JL

Über den Autor

Johann Lorenz ist 2023 aus Deutschland nach Liestal (Kanton Basel-Landschaft) ausgewandert. Er betreibt diese Seite, weil er sich genau so einen Guide gewünscht hätte. Mehr erfahren →