Steuern

Steuern Schweiz: In welchem Kanton zahlst du am wenigsten?

Die Unterschiede sind enorm – für Familien mit mittlerem Einkommen leicht CHF 10'000+ pro Jahr. Aber Vorsicht: Die Wohnkosten können den Vorteil auffressen.

Johann Lorenz 9 Min. Lesezeit Stand: Juni 2025

Drei Ebenen, eine Steuererklärung

In der Schweiz zahlt jede Person Steuern auf drei Ebenen gleichzeitig: direkte Bundessteuer (einheitlich für alle), Kantonssteuer (grosse Unterschiede) und Gemeindesteuer (Zuschlag). Alle drei kommen in einer einzigen Steuererklärung zusammen.

Das Schweizer Steuersystem kurz erklärt

Was viele Neuzuzüger aus Deutschland überrascht: Die Schweiz hat keine einheitliche Einkommensteuer. Jeder der 26 Kantone setzt seinen eigenen Steuersatz – und innerhalb der Kantone legen über 2'000 Gemeinden einen weiteren Zuschlag obendrauf. Das Ergebnis: Die günstigste Gemeinde der Schweiz (Wollerau SZ) hat weniger als halb so hohe Steuern wie die teuerste. [FAKT PRÜFEN]

Als Person mit B-Ausweis zahlst du die Quellensteuer am Arbeitsort – also bestimmt der Kanton deines Arbeitgebers deine Steuer. Mit C-Ausweis oder bei ordentlicher Veranlagung bestimmt der Wohnkanton. Das ist ein wichtiger Unterschied.

Kantone im Steuerranking

Günstigste Kantone

  • Zug (ZG): Traditionell günstigster grosser Kanton. Hohe Wohnkosten durch starke Nachfrage.
  • Schwyz (SZ): Fast so günstig wie Zug, etwas vernünftigere Wohnpreise. Wollerau = günstigste Gemeinde CH.
  • Nidwalden (NW), Obwalden (OW): Sehr tiefe Steuern am Vierwaldstättersee. Pendelweg nach Zürich/Luzern einrechnen.
  • Uri (UR), Appenzell Innerrhoden (AI): Steuerlich sehr günstig, aber wenige grosse Arbeitgeber vor Ort.

Mittelfeld

  • Thurgau (TG), Aargau (AG): Günstig mit guter Zürich-Anbindung.
  • Basel-Landschaft (BL): Mein persönlicher Wohnkanton. Gute Balance aus Steuer, Miete und Lage (DE, FR, BS Pharma). Kann ich empfehlen.
  • St. Gallen (SG), Glarus (GL): Vernünftig, naturnahe Lage.

Hochsteuerkantone

  • Bern (BE), Basel-Stadt (BS): Höhere Steuern, dafür starke Infrastruktur und Jobmarkt.
  • Genf (GE), Waadt (VD), Neuenburg (NE), Jura (JU): Höchste Steuern der Schweiz – aber oft auch höhere Löhne und internationales Umfeld.

Beispielrechnung: Familie, CHF 120'000 Jahreslohn [FAKT PRÜFEN]

Richtwerte inkl. Kantons-, Gemeinde- und Bundessteuer, verheiratet, keine Kinder:

  • Zug: ~CHF 12'000 Steuer/Jahr
  • Schwyz: ~CHF 13'500
  • Aargau: ~CHF 20'000
  • Basel-Landschaft: ~CHF 22'000
  • Zürich: ~CHF 24'000
  • Bern: ~CHF 28'000
  • Genf: ~CHF 33'000

Genauere Zahlen: ESTV Steuerbelastungsrechner

Die Kostenfalle: Steuern + Wohnkosten zusammen rechnen

Wer von Zürich nach Zug zieht, spart CHF 10'000+ Steuern – zahlt aber leicht CHF 600–1'000/Monat mehr Miete (CHF 7'200–12'000/Jahr). Das neutralisiert den Steuervorteil oft teilweise.

Die ehrliche Rechnung: Steuern + Miete + Pendelkosten zusammen vergleichen. Für viele Familien ist das Mittelfeld (BL, AG, TG) die beste Gesamtlösung.

Kantonale Steuerrechner nutzen

Alle Kantone bieten kostenlose Steuerrechner. ESTV: estv.admin.ch

Häufige Fragen

Kann ich im günstigsten Kanton anmelden, aber woanders arbeiten?
Nein – der Wohnsitz muss dem tatsächlichen Aufenthaltsort entsprechen. Scheinmeldungen sind Steuerbetrug. Steuerpflichtig bist du am echten Wohnort.
Wie gross sind die Unterschiede wirklich?
Bei CHF 120'000 Jahreslohn liegt die Steuerbelastung in Zug ca. CHF 12'000, in Genf ca. CHF 33'000. Das sind CHF 21'000 Unterschied – aber die Wohnkosten in Zug können diesen Vorteil teilweise aufheben.
Wann lohnt sich ein Kantonswechsel?
Bei Einkommen ab CHF 80'000–100'000 kann ein Wechsel CHF 5'000–20'000/Jahr bringen. Den Mietpreisunterschied vorher gegenrechnen.
JL

Über den Autor

Johann Lorenz ist 2023 aus Deutschland nach Liestal (Kanton Basel-Landschaft) ausgewandert. Er betreibt diese Seite, weil er sich genau so einen Guide gewünscht hätte. Mehr erfahren →